Stadionneubau

Bericht von DerWesten.de (NRZ+WAZ) bezgl. des Stadionneubaus

Posted by Andreas (andreas) on 02.04.2008 at 19:20
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Kippt das Stadionprojekt?
NRZ, 01.04.2008, ARTUR VOM STEIN, 0 Kommentare
Rot-Weiss driftet der vierten Liga entgegen, und die Stadt Essen unternimmt alles, um das Bauvorhaben zu retten.


Manchmal sind es die Kleinigkeiten, die anzeigen, wie es wirklich um einen Verein steht. Im Falle von Rot-Weiss Essen ist es eine Pressemitteilung, die am Montag verschickt wurde. Darin wird festgehalten, dass Michael Kulm „als Kriminalhauptkommissar nicht vom Dienst freigestellt” wurde. Richtig sei vielmehr, dass der Mann „für seine Tätigkeit als RWE-Cheftrainer seinen Jahresurlaub genommen” habe. „Dieser Umstand”, bittet der Fußball-Regionalligist höflich, möge bei der „Berichterstattung beachtet werden.” Alles klar, Herr Kommissar?

Viel bessere Munition kann man allen Spöttern und Untergangspropheten nicht mehr geben. Was soll man schließlich über einen Traditionsklub denken, der in höchster Not darauf verzichtet, einen hauptamtlichen Trainer zu verpflichten? Wenn man so will, ist der neue Coach ein Symbol dafür, wie weit sich der Verein von professionellen Strukturen entfernt hat. Oder - wohl zutreffender ausgedrückt: Auch dem letzten Anhänger wird klargemacht, wie klamm man an der Hafenstraße wirklich ist.

Die schöne neue Welt auf Schaubildern

Am vergangenen Samstag verlor die Mannschaft mit 0:4 bei Rot-Weiß Erfurt. Und wenn der Niedergang des Essener Klubs weiter ungebremst voranschreitet, wird der Verein von August Gottschalk, Helmut Rahn, Ente Lippens, Manfred Burgsmüller, Frank Mill oder Horst Hrubesch demnächst in die vierte Liga abgerutscht sein. Dort könnte es dann zu Duellen mit der SSVg Velbert oder Germania Dattenfeld kommen.

Es wäre der Super-GAU für RWE, weil damit das wichtigste Projekt in der Vereinsgeschichte sterben würde: Der geplante Stadionneubau, den Klubchef Rolf Hempelmann im vergangenen Juni im Essener Cinemaxx vorgestellt hatte. Auf einer großen Kinoleinwand wurde die schöne neue Welt präsentiert. Jedes Klubmitglied konnte auf einem Schaubild sehen, wie die Arena finanziert werden soll. „Investor 2” bis „Investor „5” war auf den Tribünenseiten zu lesen, und auf der Rasenfläche stand „Investor 1”.


Noch keine Einigung mit Kölmel


Stolz war Rolf Hempelmann über die Bühne gefedert und hatte im Lichtkegel der Scheinwerfer gerufen: „Der erste Spatenstich ist spätestens am 30. Juni 2008.” Und alle, die etwas misstrauisch geguckt hatten, hörten den Satz: „Vielleicht sogar früher.” Heute steht fest, dass selbst die Grundvoraussetzung, auf die der RWE-Chef seine Pläne gestützt hatte, nicht erfüllt ist. Denn jener „Vorvertrag” mit dem einstigen Geldgeber Michael Kölmel, von dem Hempelmann berichtet hatte, wartet noch immer darauf, unterschrieben zu werden.

Bislang ist der Versuch gescheitert, die jährlichen Belastungen von 886 000 Euro auf 60 000 zu reduzieren. Wie ein Sprecher von Michael Kölmels „Sportwelt” bestätigte, könne überhaupt noch keine Rede davon sein, dass sich die beiden Parteien geeinigt hätten. „Die Vertragsverhandlungen laufen, wir möchten keine Zwischenergebnisse kommunizieren”, heißt es offiziell aus Leipzig.

Die Stadtspitze ist längst alarmiert und guckt nicht mehr tatenlos hin. Nach NRZ-Informationen wurde die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, den Verein zu durchleuchten und ein Gutachten zu erstellen. Das Ergebnis ist niederschmetternd für die RWE-Funktionäre um Rolf Hempelmann. Dem Verein, so das Fazit, fehlt es an „professionellen Strukturen”.

Eine Einschätzung, die der gleichnamige Stromriese RWE offenbar teilt. Der Konzern, der die zehn Jugendmannschaften des Fußball-Regionalligisten jahrelang sponserte, hat sein finanzielles Engagement gestoppt. Wie es heißt, hätte eine städtische Gesellschaft kurzfristig einspringen müssen, um eine Unterdeckung von 500 000 Euro bis zum Saisonende auszugleichen.

Ob RWE und RWE in Sachen Stadionfinanzierung wieder zusammen finden können? „Uns liegen verschiedene Anfragen vor, die wir prüfen”, erklärt Pressesprecher Harald Fletcher ausweichend. Intern soll die Formel gelten, dass der Konzern nur dann wieder zur Geldspritze greifen will, wenn die Strukturen stimmen.

Bei Evonik liegen die Dinge anders. Das Unternehmen hat zwar vor Wochen für einen Paukenschlag gesorgt, als man mitteilte, den Vertrag als Trikotsponsor nicht verlängern zu wollen. „Doch beim Stadionprojekt”, beteuert Inken Ostermann, verantwortlich für Konzern Public Relations, „sind wir noch mit im Boot.” Weitere Informationen verbietet Christian Kullmann, der die Konzernkommunikation leitet und ein „Kein Kommentar” ausrichten lässt.

Auch Volker Schleede, der Sprecher der Essener Sparkasse, gibt sich zurückhaltend und betont lediglich, „im Dialog” zu sein. „Wir stehen dem Stadionbau positiv gegenüber und wollen die Angebote wohlwollend prüfen.” Tatsächlich soll die Sparkasse nach NRZ-Informationen bereit sein, fünf Millionen Euro zu investieren, während bei Evonik sogar über einen Betrag von neun Millionen Euro nachgedacht werden soll.

Rechnet man die 7,5 Millionen Euro hinzu, die die Stadt beisteuern will, dann stehen mit 21,5 Millionen Euro etwa die Hälfte der veranschlagten Gesamtkosten. Laut Hochtief soll der Bau an der Hafenstraße zwischen 42 und 45 Millionen Euro kosten. Und man muss kein Mathematiker sein, um zu sehen, wie groß die finanzielle Lücke noch ist, die tz stekkem ist, wenn die Kicker den Klassenerhalt schaffen sollten.

Diskussionen um einen Verkauf des Handelshofs

Überlegungen bei der Stadt, Aktien des Stromriesens RWE zu verkaufen, sollen überholt sein. Dem Vernehmen nach wird die Idee diskutiert, das Hotel Handelshof zu verkaufen. Angepeilte Summe: 20 Millionen Euro. Und das ist wieder eine Zahl, die auf einen Schlag verdeutlicht, welche Hürden noch zu nehmen sind. Die erste heißt übrigens Union Berlin. Auf Kommissar Kulm und seinem Team lastet ein immenser Ihr Auftrag lautet: Drei Punkte holen, um jeden Preis. (NRZ)

 

Hier nun der neueste Bericht, vom 02.04.08

 

Gesamtfinanzierung steht


Sport, 02.04.2008, REINHARD SCHÜSSLER und THOMAS SCHRÖER,
RWE-Präsident Rolf Hempelmann will nichts davon hören, dass das Stadion-Projekt auf der Kippe steht und vertröstet die Mitglieder auf die Jahreshauptversammlung am 29. Juni.

Der NRZ-Bericht über das offenbar auf der Kippe stehende Stadionprojekt des Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen hat gestern die RWE-Fans in Aufruhr versetzt. Nach eigenen Angaben aber nicht Vereinspräsident Rolf Hempelmann, der nichts davon hören will, dass der Neubau in Gefahr sei. Der 59-jährige SPD-Bundestagsabgeordnete, der vor einem Jahr den ersten Spatenstich bis zum 30. Juni angekündigt hatte, geht weiterhin fest davon aus, dass die Stadionpläne ungeachtet des drohenden Absturzes in die Viertklassigkeit zu realisieren sind.

Hempelmann, der sein Schicksal mit der Realisierung des Projektes verknüpft hat: „Ich werde auf der Jahreshauptversammlung am 29. Juni den Mitgliedern erklären, dass die Gesamtfinanzierung steht und wie sich diese Mittel zusammensetzen.” An diesem Tag wird das Interesse an RWE wohl nicht ganz so groß sein wie sonst, findet dann doch das Endspiel der Europameisterschaft statt. Eine rein zufällige Planung?

Hempelmann räumte gestern ein, dass sich die Stadt Essen wohl stärker als geplant engagieren wird. Sehr wohlwollend formuliert, denn wie die NRZ berichtete, hat die Stadt zunächst einmal eine Unternehmensberatung hinzugezogen, um den Verein zu durchleuchten. Ergebnis: Keine professsionellen Strukturen!

Ursprünglich war vorgesehen, dass der Verein mit Hilfe von Sponsoren das rund 42 Millionen Euro teure Projekt stemmen und sich der städtische Zuschuss auf 7,5 Millionen Euro beschränken würde. „Man prüft bei der Stadt, dass sie nicht nur als Zuschussgeber auftritt, sondern sich stärker einbringt. Sei es in einer Besitz- oder einer Spielbetriebsgesellschaft”, so der RWE-Boss.

Wie berichtet, laufen bei der Stadt nun Überlegungen, das Hotel Handelshof zu versilbern, um sich Kapital für den Stadionbau zu verschaffen.

„Die Stadt hat ureigenste Interessen an einem Stadionneubau”, versichert Essens Stadtdirektor Christian Hülsmann. So sei beispielsweise die jetzige Haupttribüne marode und könne nicht „einfach mal so abgerissen werden, wie seinerzeit die Westkurve”.

Zur Hauptforderung möglicher Investoren, der Verein müsse endlich einen Schlussstrich unter die Verträge mit dem einstigen Geldgeber Michael Kölmel ziehen, betonte Rolf Hempelmann: „Wir sind im Besitz einer rechtsverbindlichen Erklärung. Bis zum 30. April muss der Vertrag unterzeichnet sein. Nach Rücksprache mit Michael Kölmel hat er mir versichert, dass er dies bis zum 15. April tun wird.”

Quelle Der Westen

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